Juli 23, 2026

Reisebericht 01

By Categories: Grossbritannien3,4 min read

Reisebericht 01

Stonehenge: Am Morgen davor. Ein Ort, zu dem ich ernsthaft ein zweites Mal fahren möchte.
Canterbury: Die Kathedrale steht am Ende fast jeder Gasse.
Bootsfahrt auf dem River Stour – fast wie in Venedig.
Seven Sisters: Fünf Stunden Wanderung – und keine Minute zu viel.

Burnham on Sea, Somerset. Ein Pub mit der besten Aussicht weit und breit – und eine Schublade, die andere Pläne hat.

Standort:
Burnham on Sea
Somerset, England

Wetter: 
Bis 27 Grad,
Sonne und Wind

Sonnenuntergang:
Gegen 22.00
Lange Abende
Wohlbefinden:
Sehr gut

Nach einem intensiven und erlebnisreichen Tag – mit dem imposanten Stonehenge und modernen Bath – finde ich in der Nähe von Bristol einen wunderbaren Platz zum Übernachten. Hoch oben gelegen und mit einem fantastischen Blick auf die Irische See.

Ich setzte mich vor mein Wohnmobil und kann mich kaum satt sehen. Dabei entdeckte ich rund 50 Meter unterhalb ein wunderschönes Pub – mit der wohl besten Aussicht weit und breit. Bei einem hervorragenden Oxford Ale und einer zarten Dorade geniesse ich den Blick aufs Meer und bin glücklich. Es sind auch diese Momente, die für mich eine Reise unvergesslich macht.

Der Morgen danach

Am nächsten Morgen wachte ich gegen acht Uhr auf. Ich schlafe erstaunlich gut und gönne mir fast jeden Tag mindestens acht Stunden Schlaf. Nach einem Kaffee sitze ich noch eine Weile da und lass mir die Eindrücke der ersten Tage durch den Kopf gehen: Canterbury mit der faszinierenden Führung durch die Kathedrale und der anschliessenden Bootsfahrt auf dem River Stour – fast wie in Venedig. Die Seven Sisters mit der fünfstündigen Wanderung entlang der spektakulären Kreidefelsen. Und Stonehenge, das mich derart beeindruckt hat, dass ich ernsthaft darüber nachdenke, noch einmal dorthin zu fahren.

Der Küstenstrasse folgen

Doch heute kommt es anders. Ohne festes Ziel beschliesse ich der Küstenstrasse zu folgen. Irgendwo wollte ich anhalten, ins Meer springen und einen langen Spaziergang am Wasser unternehmen.

Gesagt, getan.

Die Küstenstrasse hatte es allerdings in sich: sehr steil, extrem schmal, viele Schlaglöcher und mit überraschend viel Verkehr. Ich bin zwar eine routinierte Autofahrerin, doch mit meinem Preppy1 habe ich in drei Jahren erst rund 20’000 Kilometer Erfahrung. Da gibt es durchaus noch Luft nach oben.

Mit guter Musik im Hintergrund lenke ich konzentriert durch die engen Kurven, weiche Schlaglöchern aus und probiere alles an den entgegenkommenden Fahrzeugen vorbei zu kommen.

Und dann passierte es!

Bääämm!

Ich erschrecke fürchterlich. Für einen kurzen Moment bin ich überzeugt, drei Autos seien gleichzeitig in mich hineingefahren. So laut war der Knall.

Doch die Ursache ist eine andere – und ärgerlicher: Eine Schublade hat sich aus ihrer Verankerung gelöst und wurde herausgeschleudert (obwohl geschlossen) und hatte ihren gesamten Inhalt im Wohnmobil verteilt.

Oh je.

Zum Glück finde ich wenig später eine Ausweichstelle. Ich räumte das gröbste Chaos auf, setze die Schublade provisorisch zusammen und stehe mit drei grossen Fragezeichen über dem Kopf da.

Sand unter den Füssen

Schliesslich entscheide ich mich, einen Campingplatz anzusteuern. Frischwasser auffüllen, Wäsche waschen und gleichzeitig einen Schreiner zu finden.

Kaum angekommen, kann ich dem Meer nicht widerstehen. Aus einem kurzen Spaziergang wurden drei Stunden.

«Sand unter den Füssen, frische Meeresluft und das Wasser – mehr brauche ich im Moment nicht.»

Zuhause wartet die Schublade natürlich immer noch auf mich. Ich räumte sie komplett aus, löse Schrauben und montierte alles neu. Jetzt hält sie wieder – zumindest einigermassen. Reinhard2 würde jetzt fragen: «Und? Alles in Ordnung?» Meine Antwort wäre in diesem Fall gewesen. Gut. Aber nicht sehr gut. Morgen werde ich einen Schreiner finden.

Waschtag – eigentlich

Der nächste Tag ist als Waschtag geplant. Kaum gewaschen zieht es mich wieder an Meer und nicht zur Schublade. Es ist wirklich magisch hier. Bevor die Wäsche trocken ist, bin ich wieder unterwegs am Meer. Schliesslich entscheide ich, noch eine weitere Nacht zu bleiben. Ein kluger Entscheid.

Wenn das so weitergeht wird die Zeit für meine geplante Reisestrecke nicht ausreichen.

Morgen geht’s weiter. Auch zu einem Schreiner.

  1. Preppy ist der Name meines Wagens, eines CS Independent auf einem Mercedes Sprinter. Warum Preppy? Der Begriff kommt im Film «Love Story» vor – einem Lieblingsfilm meines Mannes.
  2. Reinhard ist der Name meines Mannes. Verheiratet waren wir nicht. Er hat von mir als seiner Frau gesprochen und ich von ihm als meinem Mann. Reinhard ist Ende Oktober 2021 gestorben.

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